Sonntag 20. Dezember 2009

Fazit einer Reise

London ist keine Stadt, in die man sich, jedenfalls ich, auf den ersten Blick verliebt. Doch ein paar Tage wecken die Neugier und Lust auf mehr. Auf ziemlich nette Menschen und Lebens- und sonstige Stilmixe aus aller Welt. Am liebsten bei angenehmeren Temperaturen. Gruselig fand ich allerdings die Kameras allüberall, und zwar nicht nur an sicherheitsrelevanten Orten wie Bahnhöfen und Flugzeugen, sondern auch in jedem Pub. Allein im Prince Alfred Pub, in dem wir mehrere Abende ausklingen ließen, wurden wir von mindestens fünf Kameras beobachtet. Und überall Schilder à la »Wenn Sie dies oder jenes beobachten, rufen Sie bitte Nummer sowieso an.« Und nervtötend für mich als Raucherin ist natürlich auch, dass Rauchern immer und überall draußen bleiben müssen. Ein Grund mehr, in der warmen Jahreszeit wiederzukommen  ...

Sarah Ines | 20. Dezember 2009, 18:12 | [0] Kommentare  

Samstag 19. Dezember 2009

Fremde Orte sind Geschichten (und Bilder)

Eine Reise ist immer zu kurz, selbst wenn es so kalt ist, dass eigentlich das Gehirn einfrieren muesste. Doch Fantasien gehen bekanntlich seltsame Wege ob in warmem oder oedem Klima. Fremde Orte sind Geschichten, bekannte und unbekannte.

Wie zum Beispiel die von David Copperfield, Oliver Twist und Nicholas Nichleby, in die die Leseratte in der Doughty Street Nummer 48 eintauchen kann. Dort, wo ihr Schoepfer, Charles Dickens, in den 1830er Jahren einige Zeit lebte und wo schon in den 1920er Jahren das Charles Dickens Museum eröffnete. Aktuell machen Bildgeschichten und Installationen dort auch Dickens beruehmte Weihnachtsgeschichte lebendig. Beeindruckt hat mich am meisten das Bild Dickens Dream von R. W. Buss.

Noch mehr Geschichten liefert die bombastische Tate Modern Gallery in einem ehemaligen Kohlekraftwerk. Mich faszinierten dort vor allem die sprechenden Bilder von Man Ray, zum Beispiel sein »La Femme et son Poisson«. Und Edward Burras »The Snack Bar«, Max Beckmanns »Fastnacht«, Christian Schads »Selbstbildnis«. Provozierend sind natuerlich auch Beuys Installationen wie »The Pack (das Rudel)«, bestehend aus einem VW-Bus und einem Rudel von Schlitten, die alle mit einer zusammengerollten Filzdecke, einer Stablampe und einem Klumpen Talg beladen sind. Ueber den Sinn kann man lange diskutieren. Aber wie ein amerikanischer Kuenstler namens John Cage einmal sagte, kann Kunst auch heissen: »I have nothing to say and I'm saying it.«

Beschlossen habe ich den letzten Tag schließlich in guter Gesellschaft in einem unscheinbaren chinesischen Restaurant namens Magic Wok in Queensway und einem raetselhaften Glueckskeksspruch in etwas ungelenkem Englisch: »Someone of the opposite sex will be giving your morale a boost.«


Fotomomentaufnahmen vom letzten Tag:

London, Eingang des Charles Dickens Museums
Eingang des Charles Dickens Museums

London, Fenster im Charles Dickens Museum
Fenster im Charles Dickens Museum

London, Gemaelde 'Dickens Dream' im Charles Dickens Museum
Gemaelde Dickens Dream im Charles Dickens Museum

London, Gebaeude des MI6 an der Themse
Gebaeude des MI6 an der Themse

London, Rekonstruiertes Shakespeare Globe Theatre nahe der Modern Tate Gallery
Rekonstruiertes Shakespeare Globe Theatre

Sarah Ines | 19. Dezember 2009, 22:12 | [0] Kommentare  

Freitag 18. Dezember 2009

Auf den zweiten Blick

Es ist immer noch kalt in der Stadt an der Themse und windy. Aber so langsam werde ich doch warm mit Madam London. Auf den zweiten Blick sozusagen. Waermer werde ich, indem ich durch Legenden wandere, Orte zwischen Kitsch und Historie und Gegenwart.

Orte sind nicht authentisch, wie mir die Reisebuchautorin Cony Ziegler einmal sagte, sie sind im staendigen Wandel. Wie zum Beispiel die Baker Street 239 (urspruenglich 221b), wo in einem erst 1990 eingerichteten Museum Sherlock Holmes im Eingang steht und seine Pfeife raucht, natuerlich bereit zum Fotoposieren, und Watson im ersten Stock empfaengt und fuer Besucher aller Herren Laender ein paar Willkommensworte in deren Sprache im Munde fuehrt. Beim Gehen kann man seine Visitenkarte dalassen, fuer den Fall, dass man einmal einen Detektiv brauchen sollte.

Eine weitere Wanderung durch eine Legende, eher blutiger und manchmal goldener Art ist dann der, wenn auch recht teure, Rundgang durch den Tower. Geschichte zum Anfassen. Von Kroenungen bis zu eingesperrten Prinzen und unter dem Fallbeil gestorbenen Koeniginnen.

Ein wirklich legendaeres Erlebnis war aber fuer mich Buecherfrau erst ein Blick in die Kostbarkeiten der British Library. In einer aktuelles Ausstellung waren die Magna Carta und Handschriften von Darwin und Shakespeare und alte Ausgaben von Omar Kahyam zu sehen. Schon der Geruch der alten Buecher und Pergamente so etwas wie ein Aphrodisiakum.

Gekroent wurde der Tag mit einem Bummel vom British Museum nach Covent Garden, wo in kleinen und groesseren Strassen kleinere und groessere Buchlaeden, Boutiquen und Varietes locken. Und dann die Covent Garden-Markthalle. Und endlich auch Cafes und Bars mit Atmosphaere ...


Hier Fotomomentaufnahmen von heute:

London, Tourist posiert vor Sherlock Holmes Museum
Tourist posiert vor Sherlock Holmes Museum

London, Beatles Store neben Sherlock Holmes Museum
Beatles Store neben Sherlock Holmes Museum

London, der Tower
Der Tower

London, Schauspieler in einem Koenigsgemach im Tower
Schauspieler in einem Koenigsgemach im Tower

London, Buecherturm im Foyer des British Museum
Buecherturm im Foyer des British Museum

London, Plan der Gegend um Covent Garden
Plan der Gegend um Covent Garden

London, Markthalle Covent Garden
Markthalle Covent Garden

Sarah Ines | 18. Dezember 2009, 20:12 | [0] Kommentare  

Donnerstag 17. Dezember 2009

(Noch?) nicht verliebt :-(

Verliebt habe ich mich bisher leider (noch?) nicht in London. Warum? Es gibt kein Warum. Man verliebt sich oder eben nicht. Vielleicht ist es auch einfach zu kalt dazu.

Immerhin ist das pflichtgemaesse Sightseeing-Programm heut so gut wie erledigt. Schledrian durch den Hydepark, wo an einem kleinen See einer passenderweise eine Brücke macht. Am Buckingham Palace vorbei, wo zufaellig gerade Wachwechsel oder was auch immer war. Die Jungs der Queen in grauen altertuemlichen Armeemaenteln (Die schicken roten Uniformen sind wohl dem Sommer vorbehalten.) und mit schwarzen Baerenfellpuscheln auf dem Kopf paradieren. Die Massen schauen zu. Der Union Jack auf dem Palast zeigt, dass die Monarchin in der Stadt ist. Im Garten hinterm Westminster und dem himmelstuermenden Parlament mit Zinnen, entdecke ich eine von Auguste Rodin geschaffene Skulptur. Sechs Buerger aus Calais werden da geehrt, wenn ich die Inschrift richtig verstanden habe. Sechs Buerger, die sich dreizehnhundertschiessmichtot fuer ihre Stadt und den damaligen Koenig waehrend einer Belagerung geopfert haben oder so aehnlich. Weiter vorbei an der abgesperrten Downing Street, wo von der gegenueberliegenden Strassenseite iranische Oppositionelle Fahnen und Transparente schwenken. Und ein Weltkriegsdenkmal auch mal der Frauen gedenkt ...

Ein kurzer Schneeregen treibt mich und meinen Liebsten ins Caffe Strand, das wie die meisten Cafes mehr Kantinen- als Kaffeehauscharme hat. Jedenfalls die, die ich bisher gesehen habe. In diesem aber verbreitet der Chef Stimmung, indem er quasi jeden Gast mit Handschlag begruesst.

Nach einer schokoladigen Staerkung stellen wir uns dann dem Wind, der vom Meer her ueber die Themse und die Towerbridge und durch »London's Eye« weht. Der geht durch und durch und weht gruselige Fantasien von Verliesen und Henkern einfach weg.

Ein Fuenfziger fuer einen schwarzen Performancekuenstler in der mit Kunst bemalten Underground-Unterfuehrung muss auch schnell noch sein. Ein Foto darf ich auch machen.

Danach Aufwaermen in mit Vorhaengen in Kettenhemdoptik abgetrennten Lounges im Starbucks am Tower. Das muss sein. Ich bin zwar kein Fan von Ketten in der oder der Bedeutung, aber dafuer gibt's dort wenigstens ordentlichen Kaffee ...


Hier einige Fotomomentaufnahmen:

London, Brueckeschlagender im Hydepark
Brueckeschlagender im Hydepark

London, Kiosk mit Guards im Hydepark
Kiosk mit Guards im Hydepark

London, Changing of the Guard im Hof des Buckingham Palace
Changing of the Guard im Hof des Buckingham Palace

London, Horse Guards bei Parade
Horse Guards bei Parade

London, Skulptur von Rodin hinter dem House of Parliment
Skulptur von Rodin hinter dem House of Parliment

London, Demonstration gegenueber Dowing Street
Demonstration gegenueber Downing Street

London, Denkmal fuer 'The Women of the World War II
Denkmal fuer »The Women of the World War II«

The London Eye, das groesste Riesenrad Europas
The London Eye, das groesste Riesenrad Europas

London, Performancekuenstler in U-Bahn-Unterfuehrung Tower Hill
Performancekuenstler in U-Bahn-Unterfuehrung Tower Hill

London, Saenger in der U-Bahn
Saenger in der U-Bahn

London, Schrein fuer Diana und Dodi im Untergeschoss des Kaufhaus Harrods
Schrein fuer Diana und Dodi im UG des Kaufhaus Harrods

Sarah Ines | 17. Dezember 2009, 19:12 | [0] Kommentare  

Mittwoch 16. Dezember 2009

Im Anflug auf die britische Kapitale ...

... stelle ich mir beim Blick auf Wolkenlandschaften vor, was ich dort finden koennte. Lesen in der British Library? Stoebern in Antiquariaten? Schlendern durchs Westend? Vom Tower spucken? Schotten untern Rock gucken? Holmes und Dickens treffen? Fish'n Chips essen? Tee trinken? Pints im Pub kippen? Zum Qualmen vor die Tuer gehen? Diana Blumen bringen? In altertuemelnde Black Cabs einsteigen, in die auch der Herr mit Zylinder und die Dame mit Krinoline noch passen wuerden? Oder mit dem legendaeren Doppeldecker durch die Strassen fahren? Alles Klischees! Empfangen hat mich aber schonmal eines: englischer Nieselregen. Vielleicht braucht es den ja, um ins London-Feeling einzusteigen? :-)

London, Wolkenlandschaften und Flugzeugturbine im Anflug auf London
Wolkenlandschaft und Flugzeugturbine im Anflug auf London

Ansonsten hat London Menschen, Haeuser und Autos. Und auch in der Fremde sind Menschen eben nur Menschen, Haeuser nur Haeuser und Autos nur Autos. Anders sind nur die Mentalitaeten und Sitten und Aestetiken und Atmosphaeren, aber das ist ja auch das Spannende, oder?

Sarah Ines | 16. Dezember 2009, 20:12 | [0] Kommentare  
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